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Stadtarchiv erinnert an den 200. Geburtstag des Stadtschultheißen Wilhelm Grathwohl


Der Reutlinger Stadtschultheißen und Landtagsabgeordnete Wilhelm Grathwohl wenige Jahre vor seinem Tod 200. Geburtstag des Stadtschultheißen Wilhelm Grathwohl: Förderer und Reformer der Stadt im Zeitalter der Industrialisierung

Das 19. Jahrhundert ist das Zeitalter der Industrialisierung in Deutschland, deren Schlüsselindustrien die Montanindustrie und der Eisenbahnbau bildeten. Letzterer spielte für Reutlingen unter Stadtschultheiß Wilhelm Grathwohl eine zentrale Rolle. Er stellte mit dem Anschluss Reutlingens an das württembergische Eisenbahnnetz die Weichen für die fortschrittliche Entwicklung der Stadt. 

In diesem Jahr erinnern wir an den 200. Geburtstag des früheren Reutlinger Stadtschulheißen. Als zweites von dreizehn Kindern des Schuhmachers Johann Jakob Grathwohl und Anna Katherine, geb. Votteler, wurde Wilhelm Grathwohl am 13. Februar 1815 in Reutlingen geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit widmete er sich im Selbststudium der Staatsverwaltungslehre, das er ohne Universitätsbesuch mit der höheren Staatsprüfung abschloss. Bald darauf wurde Grathwohl Oberamtsaktuar und wenig später städtischer Ratsschreiber. Im Alter von 30 Jahren trat er 1845 die Nachfolge von Stadtschultheiß Carl Joseph Cammerer an. 
Der Beginn seiner Amtszeit war geprägt von den Unruhen der 1848er-Revolution, die ihm viel Geschick und Diplomatie abverlangten. In den 1850er-Jahren trieb Grathwohl vor allem den Ausbau der Eisenbahnstrecke von Plochingen nach Reutlingen voran und danach den Weiterbau nach Rottenburg. Des Weiteren setzte sich Grathwohl aber auch für die Einführung der Gasbeleuchtung in der Stadt ein und war darüber hinaus mitbeteiligt an der Gründung von Webschule, Handels- und Gewerbekammer sowie des Pomologischen Instituts.

Grathwohl machte sich dabei als großer Förderer der Stadt einen Ruf, der durch seine weitsichtige Art und sein tatkräftiges Engagement sehr beliebt bei allen Bürgern war. Geschätzt wurde er wegen seines reichen Wissens und seiner Erfahrungen. Grathwohl wurde 1856 von den Reutlinger Bürgern in den Landtag gewählt. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus. Darüber hinaus wurde ihm 1864 vom württembergischen König Wilhelm das Ritterkreuz des Friedrichordens verliehen und im März 1867 berief König Karl Grathwohl zum technischen Beirat in Fragen der Gemeindeverwaltung in den Geheimen Rat.

Die bereits über 22 Jahre andauernde Amtszeit des beliebten Stadtschultheißen fand jedoch ein jähes Ende, als er bei einer Tagung der württembergischen Feuerwehren in Reutlingen am 25. August 1867 einen Schlaganfall bei seiner Rede erlitt und in der Nacht noch starb.
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