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Stadtarchiv-Wandvitrinenausstellung zu Johannes Kurtz (1811–1889)


Im Nachlass von Johannes Kurtz findet sich auch eine seltene Fotografie des jungen Gustav Werner. Von Johannes Kurtz dem „Jüngeren“ hat das Stadtarchiv jüngst einige bemerkenswerte Lebenszeugnisse in seine Obhut übernehmen können. Sie wurden teilweise bereits in einem Beitrag der Reutlinger Geschichtsblätter von 1983 durch Heidi Stelzer vorgestellt.

Besagter Johannes Kurtz unterrichtete nicht zuletzt einen Enkel des Dichters Friedrich Schiller, aber auch die Kinder des Grafen Friedrich von Zeppelin, darunter den späteren Luftschiffbauer Ferdinand. Der dem Stadtarchiv übergebene Teilnachlass enthält unter anderem Dankesbriefe von 1877 und 1885 aus diesen Häusern. Zwei weitere anerkennende Schreiben stammen außerdem von Gustav Werner (1809–1887), in dessen Reutlinger Wohltätigkeitseinrichtungen sich Johannes Kurtz nachhaltig engagierte. 

Eine kleine Korrespondenz führte der Pädagoge im Zeitraum zwischen 1849 und 1851 mit niemand Geringerem als Louis Napoleon (1808–1873). Der Neffe Napoleon Bonapartes verbrachte die Jahre 1815 bis 1838 nicht zuletzt im Kanton Thurgau auf Schloss Arenenberg. In dessen Nachbarschaft war Johannes Kurtz um 1850 Privatlehrer und besuchte auch besagtes Schloss. In Frankreich wurde Louis Napoleon 1848 zum Staatspräsidenten gewählt. Nach einem Staatsstreich 1851 ließ er sich 1852 als Napoleon III. zum Kaiser krönen.

1870 war Johannes Kurtz Zeitgenosse des Deutsch-Französischen Krieges sowie der Gefangennahme und Absetzung Napoleons III. Als beim Besuch des hochbetagten Kaiser Wilhelms I. in Stuttgart 1885 das neugegründete preußisch-deutsche Kaiserreich sich selbst feierte, inspirierte dies den durchaus weltoffenen Johannes Kurtz zu einigen lokalpatriotischen Versen über die Achalmstadt. Eine Darstellung der Kaiserbesuche des 15. und 16. Jahrhunderts in Reutlingen hat er damals folgendermaßen eingeleitet:

„Ich liebe dich, du schönes Thal, wo rauschend hin die Echatz fließt, / dich stolzer Berg im Sonnenstrahl, den edler Reben Kranz umschließt, / der alten Kaiser Herrlichkeit sahst du in ihrer hehren Pracht, / versunken in die Ewigkeit sind alle wie im Traum der Nacht.“ In einer kleinen Wandvitrinenausstellung vor seinen Diensträumen im Erdgeschoss des Rathauses präsentiert das Stadtarchiv derzeit ausgewählte Dokumente aus dem kleinen, aber durchaus erlesenen Nachlassbestand.

Neben Briefen, Zeugnissen und Dankschreiben zählen hierzu eine Sammlung mit „Freundschaftsblättern“, darunter eine Miniaturdarstellung des Schlosses Lichtenstein von 1842. In jenem Jahr war dieses Wahrzeichen der Schwäbischen Alb eingeweiht worden. Zwei Fotoalben mit zahlreichen Visitkartenfotografien der 1860/70er Jahre enthalten unter anderem seltene Porträts von Gustav Werner sowie von dem in die USA emigrierten Demokraten Gustav Heerbrandt (1819–1896). 

Präsentiert werden aber auch Verse des Reutlinger Präzeptors, Chronisten und Bibliothekars Carl Bames. Dieser bedankte sich bei Johannes Kurtz für eine Bücherspende: „Daß Sie der Vaterstadt gedenken / Auch die Bibliothek bedacht / Und ihr des Schillers Werke schenken / Dafür sei Ihnen Lob gebracht.“ Die kleine Archivalienschau kann bis  Ende Januar während der Rathaus-Öffnungszeiten besichtigt werden.
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