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Wandvitrinenausstellung des Stadtarchivs


Es ist vor allem ein Reutlinger Straßenname, der die Erinnerung an einen „hohen“ Regierungsbeamten in Reutlingen wachhält. Zu Amts- und Lebzeiten genoss dieser in der Achalmstadt eine bemerkenswerte Popularität. Und so war es 1907 geradezu selbstverständlich eine Straße nach dem hochgeehrten Pensionär zu benennen. Sie führt heute von der Pomologie bis an den Stadtrand unterhalb des Georgenbergs. Ihr Namenspate war Carl von Bellino. Er verstarb am 7. Juli 1919.
 
Geboren worden war Bellino 1827 in Rottenburg als Nachkomme italienischer Zuwanderer, die in der katholischen Bischofsstadt am Neckar als Handels- und Geschäftsleute erfolgreich waren. Carl Bellino studierte Jura in Tübingen und schlug sodann eine höhere Beamtenlaufbahn im multikonfessionellen Königreich Württemberg ein. Deren Krönung war 1896 die Ernennung zum Präsidenten der Regierung des Schwarzwaldkreises in Reutlingen.
 
Diese auf 1818 eingerichtete Staatsbehörde hatte ihren Sitz am Kanzleiplatz im Gebäude des heutigen Friedrich-List-Gymnasiums. Sie kann mit einem der vier Regierungspräsidien im heutigen Bundesland Baden-Württemberg verglichen werden. Carl von Bellinos „Regierung“ koordinierte und kontrollierte die Verwaltungstätigkeit im Südwesten des württembergischen Staates, der im Westen an den Schwarzwald grenzte. Im Zuge einer Verwaltungsreform hat man die vier württembergischen Kreisregierungen 1924 aufgelöst.
 
In der Achalmstadt wurde Bellino, der 1891 vom König den persönlichen Adelstitel erhalten hat, keineswegs als dünkelhafter Staatsbeamter wahrgenommen. Er muss regen Anteil nicht zuletzt am Vereinsleben in der Stadt genommen haben. Zu seinem 50-jährigen Dienstjubiläum wurde dem damals 75-Jährigen die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen und ein großes „Bankett“ in der Bundeshalle gegeben. 1904 ging von Bellino in Pension. Begraben wurde er schließlich auf dem Friedhof Unter den Linden.
 
Mit einer kleinen Wandvitrinenausstellung erinnert das Stadtarchiv an Hand ausgewählter Dokumente an den vor 100 Jahren verstorbenen Wahlreutlinger. So ist in den Sammlungsbeständen des Archivs etwa der Einbandentwurf für die Ehrbürgerurkunde von 1903 überliefert. Das Vereinsarchiv der TSG Reutlingen belegt, wie 1896 der damalige „Turnrat des Turnerbundes“ dem „Herrn Präsidenten von Bellino“ zu seiner großen Beförderung („Euer Hochwohlgeboren“) gratulierte und auf sein weiteres „Wohlwollen“ hoffte.
 
Das Gemeindearchiv Altenburg dokumentiert für 1902, dass auch die amtliche Bestätigung einer Schultheißenwahl zu den dienstlichen Obliegenheiten eines Regierungspräsidenten zählte. Ein gedrucktes Programm für das „Ständchen“ der Stadtkapelle von 1903 verrät schließlich, dass hier unter anderem eine „Jubel-Ouverture“ erklang. Die kleine Archivalienschau vor den Diensträumen des Stadtarchivs kann während der Öffnungszeiten der Rathaus-Eingangshalle bis Ende Oktober besichtigt werden.
 
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